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Die historiche Entwicklung des Flugplatzes in Nohra


Der Flugplatz Nohra grenzt an Ulla an bzw. liegt zum Teil auf Ullaer Flur.

Vor 1916 wurde die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Die Bewirtschaftung (Feldfruchtanbau, Brachland, Wiese, Schafweide) erfolgte durch Klein- und Mittelbauern auf vielen Flurstücken.

1916 wurde während des Krieges von der Militärbehörde für die Errichtung des Flugplatzes von den Einwohnern 600 Morgen Land enteignet (1. Enteignungsphase).

1916/17 wurde der Flugplatz als "moderner" Großflughafen / Militärflughafen erbaut und fertiggestellt. Zum Bau der Anlage wurden über 200 russische Kriegsgefangene eingesetzt.

1918 wurde der Flugplatz von der Stadt für den Reichsmilitärfiskus teilweise erworben, teilweise enteignet.

1919 - 1921 wurde durch eine interalliierte Militärkommission und unter Aufsicht der Flugplatz fast vollkommen zerstört und die Gebäude abgerissen. Es sollte eine weitere militärische Nutzung ausgeschlossen werden.
Trotz dieser Demontage nach dem Krieg war das Land kaum wieder als Ackerland zu verwenden.
Auf Grund der Lage im Inneren Deutschlands wurde dieses Gelände als Vorzugsgelände für Flugplatzstandorte ausgewiesen.

1921 wurde der Flugplatz teilweise wieder hergerichtet und war bis auf weiteres zur Unterbringung der Heimatschule "Mitteldeutschland" bzw. der Ingenieurschule Weimar vorgesehen.

Zwischen 1922 und 1925 wurde das Gelände teilweise an ansässige Betriebe verpachtet.
Große Aufregung gab es 1922 als durchsickerte, dass die Absicht bestehe, dort eine chemische Fabrik zu errichten.

1926 erfolgte der Ausbau der Beton- und Asphaltpiste. Diese war identisch mit der vorhandenen Piste des späteren Hubschrauberlandeplatzes.

1928 bis 1930 wurde in Erwägung gezogen, einen Zeppelinhafen zu bauen. Das Projekt wurde jedoch verworfen.

Im Oktober 1932 wurde eine Vorlage auf Errichtung eines Übungsflugplatzes für leichte Motor- und Segelflugzeuge erstellt (als Ersatz für den Flugplatz Weimar).
Die Finanzlage Weimars zwingt die Stadt zur Wiedereinrichtung des Flugplatzes Nohra im November 1932. Noch im Dezember 1932 werden Verhandlungen über die Verlagerung der Fliegerschule im Webicht nach Nohra durchgeführt.

Im März 1933 wird informiert, dass der Flughallenumbau im Bereich der abgerissenen Flughallen noch im selben Jahr geplant wird. Die Arbeiten werden im freiwilligen Arbeitsdienst durchgeführt.

Von August 1932 bis Juli 1933 war ein Schutzhaftlager für inhaftierte KPD-Funktionäre, - Anhänger und Regimegegner mit durchschnittlich ca. 200 Gefangenen im Hauptgebäude der Heimatschule untergebracht.
Von März bis Juli 1933 verstärkte sich der KZ-Charakter. Die Bewachung erfolgte durch die SA. Ende Juli 1933 wurde das Lager aufgelöst. Zielort der Häftlinge: unbekannt.

Am 28.10.1933 wurde die Erweiterung des Flugplatzes beantragt.
Nohra wurde Hauptübungsstelle in Thüringen. Mit der Errichtung des Flugplatzes wurde der Architekt Hensel aus Weimar beauftragt. Aus Abrechnungsunterlagen geht hervor, dass die Ausführung sämtlicher Erdarbeiten durch den freiwilligen Arbeitsdienst mit Unterstützung von Arbeitern der Firma Köditz aus Weimar durchgeführt wurden.

Im März 1935 wird beschlossen, dass nach Nohra eine Ausbildungsstelle des deutschen Luftsportverbandes verlegt werden soll.

1935/36 erfolgt der intensive Ausbau als Kasernenkomplex

Bis 1945 waren nur leichte Flugzeuge stationiert, aber Flugzeuge jeglicher Art, wie Jagdflugzeuge, Transportmaschinen, Aufklärer und Übungsflugzeuge vorhanden. Einige Gebäude wurden bis 1945 nicht fertiggestellt.

Ansichtskarte

Im Objekt waren keine Luftschutzbunker vorhanden, jedoch ein ausgedehntes System von Rohrleitungsschächten für Heizung, Wasser und Strom, die teilweise mannshoch ausgebaut und begehbar waren bzw. noch sind.

Der Flugplatz wurde 1945 durch die Amerikaner eingenommen und später an die sowjetische Besatzungsmacht übergeben.

1946 befahl die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) den Umbruch des Geländes. Noch während der Arbeiten wurde der Befehl zur Wiederurbarmachung durch die SMAD widerrufen. Es war die Nachnutzung als Flugplatz oder Panzerübungsplatz vorgesehen.

1947 wird der Flugplatz teilweise durch die Westtruppen der Roten Armee übernommen und bis 1992 als Hubschrauberflugplatz und Garnison der Streitkräfte genutzt.

Nach 1952 wird das Flugplatzgelände erweitert.

Die Objekte Flugplatz und Fliegerhorst (Unter- und Obernohra) waren während der Nutzung durch die Rote Armee für die DDR-Bürger nicht zugänglich. Nach Abzug der Armee, zuletzt der Stab im Dezember 1992, war der Zugang mit Anmeldung möglich.

Detailliertere Informationen zur militärischen Nutzung finden Sie unter Fliegerhorst Nohra.


Der Flugplatz (85 Gebäude) wurde ab 19.07.1995 durch 15 ABM-Kräfte zurückgebaut, lediglich ein Hangar steht noch. Die nachträglich errichteten Neubauten wurden bzw. werden noch abgerissen. Die "alten" Garnisionsgebäude stehen leer.
An der Gemarkung Ulla, rechts neben der Straße von der B 7 ins Dorf, befinden sich 14 Mehrfamilienhäuser, die von den Stabsoffizieren als Wohnsiedlung genutzt wurden. Diese wurden 1995/96 saniert und rekonstruiert (das Wohngebiet Birkenhof gehört zur Tröbsdorf / Weimar) und werden als Miet- bzw. Eigentumswohnung genutzt.

Ein Bebaunungsplan sieht vor, etwa 17 ha des 170 ha umfassenden Areals für die Ansiedlung von gewerblichen Freizeiteinrichtungen vorzusehen. Noch im Herbst 1995 ist die erste Baumpflanzaktion im Bereich der großen Erdstoffablagerungen geplant. Ziel ist es, järlich 4 bis 10 ha Park zu gestalten.

Im Jahre 1997 will die LEG mit Hilfe eines Wettbewerbs Zukunftsideen für das einstige Stabsgelände in Nohra (Süd) suchen und finden.
Indes liegt für das Sondergebiet (Flugplatz Nohra-Nord) der Bebauungsplan im Landesverwaltungsamt. Es sollen "kleinteilige Freizeiteinrichtungen" entstehen, die weitgehend eine Verbindung zum Landschaftspark herstellen. Der Weimarer Stadtrat ist jedoch dagegen.
Ein 10 ha großes Terrain des Landschaftsparkes soll noch 1997 der Öffentlichkeit übergeben werden. Gleiches gilt für den Radwegebau zwischen Nohra und Ulla.

Eine wundersame Verwandlung hat am Rande des künftigen Landschaftsparkes an der B 7 die einstige "Kommandantenvilla" erfahren. Am 13.07.1998 eröffnete nach umfangreicher Sanierung und Modernisierung die Gaststätte mit Biergarten "Zum Kommandanten".

Von den Plattenbauten am Flugplatzgelände stehen nur noch die Übergangswohnheime für Spätaussiedler. Ab 15.02.2000 soll nun auch der Teilabriß der früheren Schule erfolgen. Zumindest die Turnhalle will die Gemeinde erhalten.

Die Turnhalle wurde erhalten und im Juli 2005 an die Gemeinde Nohra übergeben. Sie wird als Mehrzweckhalle für Sport- und Kulturveranstaltungen genutzt.
Für die ebenfalls erhaltengebliebene Schule wird ein Nutzungskonzept als Kindergarten erarbeitet.
Anfang September 2005 begann der Abriss der verbliebenen 3 Neubauten.


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