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Wilhelm Martin Leberecht de Wette - Ein Universaltheologe des 19. Jahrhunderts

Am 12.1.1780 als Pfarrerssohn in Ulla bei Weimar geboren. De Wette besuchte seit 1792 die Stadtschule in Buttstädt und seit 1796 das Gymnasium in Weimar, dessen Ephorus Johann Gottfried Herder ihm ein Führer wurde auf die "ewig grüne, vom Wasser des Lebens getränkte Weide", und studierte seit 1799 in Jena Theologie bei Johann Jakob Griesbach, Johann Philipp Gabler und Heinrich Eberhard Gottlob Paulus.


  

Er wurde 1805 Privatdozent der Theologie in Jena und 1807 zum ao. Professor für Exegese nach Heidelberg berufen und 1809 zum o. Professor der Theologie ernannt. Bestimmenden Einfluß auf ihn gewann die Philosophie des Jakob Friedrich Fries. 1810 folgte er dem durch Friedrich Schleiermacher veranlaßten Ruf an die neugegründete Universität Berlin.

Von Hause aus war er Alttestamentler und hatte 1805 mit seiner noch heute viel zitierten Doktorarbeit Furore gemacht. In ihr stellt er die These auf, dass sich das Deuteronomium von den anderen vier Büchern Mose unterscheide und als Werk eines anderen, viel jüngeren Verfassers, nicht auf Mose zurückzuführen sei. Er beschränkte sich jedoch nicht auf das Alte Testament, sondern steuerte zu allen Disziplinen der Theologie eine grosse Zahl gewichtiger Werke bei.

Als der Erlanger Theologiestudent Karl Ludwig Sand in patriotischem Fanatismus am 23.3.1819 in Mannheim den Dichter August von Kotzebue ermordet hatte, schrieb de Wette am 31.3. einen Trostbrief an die Mutter des Mörders, Frau Justizrat Sand in Wunsiedel, in deren Haus er im Jahr zuvor auf einer Reise ins Fichtelgebirge gastliche Aufnahme gefunden hatte. Er rechtfertigte die Tat zwar nicht, aber nahm "die Gesinnung des Jünglings gegen das verdammende Urteil des großen Haufens in Schutz".

Eine Abschrift dieses Briefes gelangte in die Hände Friedrich Wilhelms III., und de Wette wurde laut Kabinettsordre vom 30.9.1819 entlassen, obwohl die Theologische Fakultät und die Studenten entschieden für ihn eintraten. Er wies das Angebot eines noch vierteljährigen Gehalts zurück und siedelte im November 1819 nach Weimar über.

De Wette hielt 1821 eine Gastpredigt in Braunschweig und wurde zum Pastor primarius an der St. Katharinenkirche vorgeschlagen. König Georg IV. aber versagte ihm trotz dreier in Leipzig und Jena eingeholter positiver Gutachten die Bestätigung.

Im Frühjahr 1822 folgte er dem Ruf als Professor der Theologie nach Basel. 1829 verlieh man ihm das Bürgerrecht und viermal wählte man ihn zum Rektor der Universität.

In Basel verfasste er unter anderem Kommentare zu allen Büchern des Neuen Testaments, die im 19. Jahrhundert sehr bekannt waren und viel gelesen wurden. Er ist Autor auch zahlreicher namhafter Beiträge zur Dogmatik und edierte die Briefe Luthers. Der wissenschaftlich so erfolgreiche Mann, theologisch zwischen den Fronten stehend und stark umstritten, erwarb sich ebenfalls grosse Verdienste um die Universität Basel, die während der Wirren um die Trennung von Basel Stadt und Landschaft in ihrer Existenz bedroht war.

De Wette ging allmählich, wie er sagt, von den "gefährlichen Stürmern" zu den "konservativen Kämpfern" über. So wurde er von den enttäuschten Vulgärationalisten als Pietist verschrien, während die Pietisten ihn als Rationalisten bekämpften. Er war ein bedeutender, scharf-kritischer alt- und neutestamentlicher Exeget und Isagogiker. Als Dogmatiker suchte und fand er mit Hilfe der Friesschen Philosophie eine Befriedigung des religiösen Bedürfnisses im Gefühl, im Glauben, in der ästhetischen Symbolik und der religiösen Ahnung und war bemüht, die Theologie aus dem alten Gegensatz des Rationalismus und Supranaturalismus hinaus- und in tiefere Probleme hineinzuführen.

De Wette starb am 16.6.1849 in Basel.


Wilhelm Martin Leberecht de Wette im Internet:

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